OGehirn.jpg (22693 Byte)    Projekt-gebundene Promotionen am Neurolinguistischen Labor
                                     (Erstgutachter: Prof. Dr. Michael Schecker)

 

Die im folgenden vorgestellten Promotionen sind Teil der am Neurolinguistischen Labor durchgeführten Forschungsprojekte.

Gabi Möller
Thomas Urbach
Anna Jaremkiewicz
Birgit Nitt
Elke Schumann
Elisabeth Heine (in Vorbereitung)
Tanja Rinker
Verena Maas (in Vorbereitung)
Raija Kuckuk
Thomas Hentrich-Hesse
Gerrit Merkel
Sung Eun Lee
Severine Adam
Christiane Weigand (in Vorbereitung)
Carsten Kochler (in Vorbereitung)
Tamari Andriaschwili (Verfahren läuft)

 

 

Anna Jaremkiewicz
"Aufmerksamkeit und Sprachentwicklung"

Zentral-auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen werden schon seit geraumer Zeit als Ursache von Störungen der Sprachentwicklung (SSES) und von Aufmerksamkeitsstörungen (u.a. ADHD) diskutiert. In diesem Zusammenhang kommt in letzter Zeit auch immer mehr die hohe Komorbidität von Sprachentwicklungs- und Aufmerksamkeitsstörungen in den Blick.

Im Rahmen einer explorativen Studie "Aufmerksamkeit und Sprachentwicklung", deren Bestandteil diese Dissertation ist, wird nach den Kausalzusammenhängen der beiden Störungsbildern mit basalen auditiven Verarbeitungsprozessen gesucht, was weitreichende Konsequenzen für Therapie und Prävention hat.

In der ersten Phase des o.g. Projekts wird bei der Anwendung einer neuropsychologischen Testbatterie untersucht, ob sich die klinischen Beobachtungen einer auffallend häufigen Komorbidität von Aufmerksamkeits- und Entwicklungsstörungen auch für klinisch unausgelesene Probandengruppen belegen lassen. Dabei wurden drei Stichprobegruppen (15 Kinder pro Gruppe; zwei klinische Gruppen und eine Kontrollgruppe) einander gegenübergestellt. Die ersten Daten scheinen die gestellten Hypothesen (Komorbidität und Beteiligung zentral-auditiver Verarbeitungsprozesse) zu bestätigen.

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Birgit Nitt
"Definite Pronomina und Kontext: Studien zu Sprachabbauphänomenen bei Alzheimer - Krankheit"

Die Arbeit entsteht im Zusammenhang mit der Freiburger Studie "Desynchronisations-phänomene bei Alzheimer-Krankheit. Explorative Studie zum Zusammenhang von Defiziten der Sprachverarbeitung und der Gedächtnisfähigkeit einerseits und der Veränderung zeitlicher Parameter zentraler kognitiver Steuerungsprozesse andererseits bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Krankheit".

Erste Studien weisen darauf hin, dass Pronominalisierungsprozesse bei Alzheimer-Patienten bereits in frühen Stadien der Krankheit gestört verlaufen (Almor et al., 1999; Gress-Heister, 1996). Dieses offenbar spezifische Störungsbild ist im Bereich der definiten Pronomina Thema der Dissertation.

Untersucht werden zwei Gruppen von (nach den gängigen Klassifikationsmanualen ICD-10 bzw. DSM IV) diagnostizierten Patienten mit wahrscheinlicher Alzheimer-Krankheit in frühen und moderaten Stadien und eine Gruppe gesunder Vergleichspersonen. In einem off-line Studiendesign werden die Fähigkeiten vorwiegend rezeptiver Verarbeitung definiter Pronomina geprüft.

Diskutiert werden ausgehend von der deskriptiven strukturellen Linguistik die aktuell bedeutenden Modellvorstellungen der Psycho- und kognitiven Linguistik zu Funktion und Verarbeitung pronominaler Referenz, sowie Hypothesen zu deren Beeinträchtigung bei der Alzheimer–Krankheit. Einen besonderen Stellenwert erhalten dabei die Ansätze Levelts, die Hypothesen der Arbeitsgruppe um Almor und die Freiburger Desynchronisations-Hypothese.

Publikationen: "Definite Pronouns and Context. Language Deterioration in Alzheimer´s Disease" Poster at the 2004 Annual Neurex Meeting in Freiburg

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Elke Schumann
Language Impairment and Temporal Organisation of Processing in Alzheimer’s Disease

Die Dissertation entsteht innerhalb des Projekts "Abbau exekutiver Leistungen am Beispiel des Sprachabbaus bei Alzheimer-Krankheit. Explorative Studie zum Zusammenhang von Defiziten der Sprachverarbeitung mit der Veränderung zeitlicher Parameter zentraler kognitiver Steuerungsprozesse bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Krankheit." Es geht hierbei um den Versuch, durch empirische Daten die Hypothese zu stützen, dass die heterogen erscheinenden kognitiven Defizite bei Alzheimer-Krankheit möglicherweise auf eine gemeinsame Ursache zurückgehen: auf eine Verlangsamung top-down arbeitender Steuerungsprozesse.

Publikationen:

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Elisabeth Heine
"Therapie-Prozess-Forschung: Konversationsanalytische Studien zum Therapiefortschritt von Gesprächstherapien in der Kinderpsychiatrie"

Wie lässt sich überprüfen, ob Gesprächstherapien als Form der therapeutischen Intervention bei psychischen Erkrankungen einen Effekt zeigen? Die Arbeit geht dieser Frage mit Blick auf psychisch kranke Kinder nach; Krankheitsbilder sind kindlichen Depressionen, 'Aufmerksamkeitsstörungen mit Hyperaktivität' und paranoide Persönlichkeitsstörungen.

Zugrundegelegt wird ein am Neurolinguistischen Labor entwickelter Raster zur Erfassung der kommunikativen Kompetenz von Grundschulkindern in Therapie-Situationen. Erste Auswertungen liegen bereits vor - vgl. Schecker, M., Möller, G. & Weber, Chr. (2000). Defizite der Sprachverarbeitung und gestörtes Gesprächsverhalten bei psychisch kranken Kindern. Tübingen: Narr (cognitio 5).

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Tanja Rinker
Neurophysiologische Studien zur Sprachverarbeitung sprachentwicklungsgestörter Kinder

Meine Dissertation schreibe ich im Rahmen des Projektes "Neurophysiologische Korrelate zentral-auditiver Verarbeitungsdefizite bei aufmerksamkeits- und sprachentwicklungsgestörten Kindern" im Neurolinguistischen Labor. In meiner Arbeit konzentriere ich mich im Wesentlichen auf die Neurophysiologie der Sprachverarbeitung bei Kindern mit Spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SSES) und vergleiche eine Reihe von deutschen SSES-Kindern mit amerikanischen SSES-Kindern.

Neurophysiologische Methoden erlauben im Gegensatz zu behavioralen Testverfahren die millisekundengenaue Beobachtung der Verarbeitung von auditiven Reizen. In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwiefern die Verarbeitung von Sinustönen, komplexen Tönen und verschiedenen Verbformen (Verbstamm/3. Pers. Sg./Präteritum) bereits im frühen Millisekundenbereich von 80-150 ms nach der Präsentation des Reizes gestört ist.

Wenn die Schwierigkeiten sprachentwicklungsgestörter Kinder vor allem bei der Verarbeitung komplexer Töne und verbaler Stimuli auftreten, würde dies dafür sprechen, dass bei SSES-Kindern Prozesse auf höheren kognitiven Verarbeitungsebenen (Leistungen der Arbeitsgedächtnisses, Musterabgleich von sprachlichem Material, etc.) gestört sind. Besonders interessant ist hierbei auch, ob amerikanische SSES-Kinder mit der flexionsärmeren englischen Muttersprache gleiche oder unterschiedliche Defizite aufweisen wie deutsche SSES-Kinder.

Präzisere Kenntnisse der Grundlagen der Spezifischen Sprachentwicklungsstörung sind unerlässlich für die Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieansätze.

Publikationen:

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Christiane Weigand
Neurophysiologische Untersuchungen bei der Alzheimer-Krankheit unter besonderer Berücksichtigung der P300 und der N400.

Die Arbeit ist Bestandteil des von Prof. Dr. Michael Schecker geleiteten Forschungsprojektes "Desynchronisationsphänomene bei Alzheimer-Krankheit. Explorative Studie zum Zusammenhang von Defiziten und der Gedächtnisfähigkeit einerseits und der Veränderung zeitlicher Parameter zentraler kognitiver Steuerungsprozesse andererseits bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Krankheit." Das Ziel meiner Arbeit ist es, neurophysiologische Veränderungen mit dem EKP-Design (Ereigniskorrelierte Potentiale) bei der Alzheimer-Krankheit zu untersuchen.

In der Literatur spielen vor allem zeitliche Veränderungen (im ms-Bereich) bei der P300 und im Alpha-Rhythmus eine entscheidende Rolle. Von Interesse ist weiterhin, inwiefern bereits erhobene behaviorale Daten (PMA, Pronominalisierungstests und neuropsychologische Tests) mit denen aus neurophysiologischen Untersuchungen korrelieren. Spiegeln sich die behavioralen Daten in den neurophysiologischen Untersuchungen wider? Mein Schwerpunkt soll allerdings eher auf Reaktionen etwa 400 ms nach Stimulus-onset gelegt werden, da solche Reaktionen nicht nur bei semantisch inkongruenten Sätzen (Kleider machen Kirchtürme)(N400), sondern auch bei formalen Inkongruenzen, z. B. morphosyntaktischen Verletzungen (Der Hausmeister putzt dem Treppenhaus)(LAN = Left Anterior Negativity) auftritt.

Diese Arbeit soll dazu dienen, einen detaillierten Einblick in die Sprachverarbeitung bei der Alzheimer-Krankheit zu erlangen.

Publikationen:

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Sung Eun Lee
Sensorische Integration und Bedeutungserwerb

Mein Dissertationsvorhaben verbindet zwei Aspekte miteinander: 'Bedeutsam' ist ein lautlicher Input dann, wenn ich ihn fest mit Sinnzusammenhängen, Weltwissen, Erwartungen usw. usw. usw. assoziativ verbinden kann. Ein solcher 'Bedeutungshorizont' dürfte aber beim Kleinkind zunächst als Menge mehr oder weniger zeitgleich eintreffender Reize unterschiedlichster sensorischer Kanäle (bevorzugt sehr bald der visuelle Kanal) begegnen; mit anderen Wort erschließt sich die 'Bedeutsamkeit' eines auditiven Inputs nur dann, wenn entsprechende sensorische Integrationsprozesse gelingen.

Dass lautlicher Input mit 'Bedeutungshorizonten' verbunden ist - so die zweite Hypothese, der ich nachgehe, führt zu einer top-down-Verstärkung bereits der allerersten Analyseprozesse des auditiven Inputs im Rahmen zentralauditiver Verarbeitungsschritte. Wenn sich das bestätigen läßt, dann ist eine hinreichend differenzierte sensorische Integration als Grundlage des Bedeutungserwerbs (bzw. des Erwerbs von so etwas wie 'Bedeutungshorizonten') zugleich eine wesentliche Voraussetzung für eine effiziente, schnelle zentralauditive Verarbeitung

Methodisch werde ich auf der Basis geeigneter auditiver Stimulierungen bioelektrische Signale ableiten (EKP-Design), um sowohl das 'Ausmaß' an sensorischer Integration wie den Effekt einer Rückkopplung des auditiven Inputs an 'Bedeutungshorizonte' zu untersuchen (hier werde ich ein Mismatch-Design zugrundelegen).


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